Aktuelles aus dem Bezirk
Finanzierung für Schwimmhalle und Außenbecken ist längst überfällig – jetzt muss ein öffentliches, bezahlbares Bad entstehen!
Zum aktuellen Stand des geplanten Schwimmbads am Kienberg erklären Sarah Bigall und Bjoern Tielebein, Vorsitzende der Linksfraktion in der BVV Marzahn-Hellersdorf:
Marzahn-Hellersdorf wartet seit der Schließung des Wernerbades im Jahr 2002 auf ein öffentliches Freibad. Seit mehr als zwei Jahrzehnten fehlt im Bezirk ein niedrigschwelliges, bezahlbares und öffentliches Angebot zum Schwimmen, Baden und Erholen im Sommer. Für einen Bezirk mit mehr als 290.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist das ein unhaltbarer Zustand.
Dass der Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses am 24. Juni 2026 nun Mittel für eine Schwimmhalle und ein Außenbecken bereitgestellt hat, ist längst überfällig. Für die geplante Schwimmhalle in Marzahn-Hellersdorf wurden 25,1 Millionen Euro aus SIWA-Mitteln bereitgestellt. Zusätzlich sind 10,3 Millionen Euro aus dem Bundessondervermögen für die Errichtung eines Außenbeckens vorgesehen. Damit stehen für Schwimmhalle und Außenbecken am Standort insgesamt 35,4 Millionen Euro zur Verfügung.
Dieser Schritt kommt spät – auffällig spät, kurz vor den Wahlen. CDU und SPD versuchen nun, sich für eine Finanzierung feiern zu lassen, nachdem ihre Haushaltskürzungen und die Streichung des ursprünglich vorgesehenen Kombibads das Projekt unter diesem Senat um Jahre verzögert haben. Statt die bestehenden Planungen konsequent weiterzuführen, wurden immer wieder neue Machbarkeitsstudien verfolgt, angekündigt oder in Aussicht gestellt. Für die Menschen im Bezirk bedeutete das vor allem: weitere verlorene Zeit.
Dabei hätte Marzahn-Hellersdorf heute viel weiter sein können. Die Forderung nach einem öffentlichen Freibad wurde bereits 2011 von der Linken im Bezirk zum politischen Thema gemacht. Zu einer Zeit, als der damalige CDU-Sportsenator Frank Henkel einen Bedarf für ein Freibad in Marzahn-Hellersdorf noch kategorisch verneinte, blieb Die Linke an dem Thema dran. Später stellte die damalige Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher die ersten finanziellen Mittel für eine Machbarkeitsstudie zu Freibadstandorten in Marzahn-Hellersdorf bereit. Unter Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle wurde anschließend das Bebauungsplanverfahren für das Kombibad am Kienberg eingeleitet. Diese Grundlagen sind bis heute die Voraussetzung dafür, dass überhaupt weitergeplant werden kann.
Umso ärgerlicher ist, dass das ursprünglich geplante Kombibad unter dem aktuellen Senat zusammengestrichen wurde. Was jetzt verfolgt wird, ist eine abgespeckte Variante: eine Typen- beziehungsweise Funktionsschwimmhalle mit Außenbecken und nicht das ursprünglich vorgesehene Multifunktionsbad mit den damals geplanten weiteren Angeboten. Damit haben sich die Aussagen von Bezirksstadrätin Wessoly (CDU), wonach die ursprünglichen Kombibad-Planungen wieder aufgenommen würden, als nichtzutreffend erwiesen.
Für Die Linke ist dabei entscheidend, was am Ende für die Menschen im Bezirk entsteht. Marzahn-Hellersdorf braucht kein teures privates Spaßbad, wie es die CDU zwischenzeitlich mit der Suche nach einem privaten Investor ins Spiel gebracht hatte. Ein solches Modell hätten sich viele Familien, Kinder, Jugendliche, Rentnerinnen und Rentner im Bezirk niemals regelmäßig leisten können. Genau deshalb war und ist es so wichtig, für ein öffentliches Bad zu kämpfen.
Das neue Bad muss bezahlbar sein – für alle Menschen in Marzahn-Hellersdorf. Es muss Schwimmenlernen ermöglichen, Schul- und Vereinssport stärken, Familien im Sommer Entlastung bieten und ein sozialer Ort für den ganzen Bezirk werden. Öffentliche Mittel müssen auch zu einem öffentlichen Nutzen führen: mit fairen Eintrittspreisen, guter Erreichbarkeit und Angeboten für Menschen mit kleinen Einkommen.
Genauso wichtig ist, dass sich das Bad gut in die Umgebung am Kienberg und am Jelena-Šantić-Friedenspark einfügt. Die Planung muss Rücksicht auf Grünflächen, Wegebeziehungen, Nachbarschaft, Umweltbelange und die besondere Lage am Rand des Wuhletals nehmen. Ein öffentliches Bad darf nicht gegen die Umgebung geplant werden, sondern muss so realisiert werden, dass es den Ort stärkt und für die Menschen im Bezirk dauerhaft nutzbar bleibt.
Die Linke fordert deshalb:
- eine zügige Umsetzung der Typen-/Funktionsschwimmhalle mit Außenbecken am Kienberg,
- einen verbindlichen Zeit- und Maßnahmenplan von Senat, Bezirk und Berliner Bäder-Betrieben,
- bezahlbare Eintrittspreise und eine Planung, die sich sensibel in die Umgebung am Kienberg und den Jelena-Šantić-Friedenspark einfügt,
- eine ernsthafte Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner sowie der Umwelt- und Naturschutzverbände,
- legale Badestellen an unseren Seen, die auch in diesem Jahr völlig überfüllt sind und keine soziale Kontrolle und Sicherheit vor Ort bieten. Wir brauchen dringend einen Rettungsdienst vor Ort.
Kurz vor den Wahlen wird nun ein Schritt nachgeholt, der ohne die Kürzungen, Verzögerungen und das Streichen des Kombibads längst früher hätte kommen können. Entscheidend ist jetzt: Es muss ein öffentliches, bezahlbares Bad für alle Menschen in Marzahn-Hellersdorf entstehen – ein Ort für Familien, Kinder, Jugendliche, Seniorinnen und Senioren, Schulen und Vereine.
Die Finanzierung des Bades am Kienberg ist bereits jetzt auf Kante genäht; angesichts zu erwartender Kostensteigerungen werden wir uns im Abgeordnetenhaus in der nächsten Legislaturperiode dafür einsetzen, dass Schwimmhalle und Außenbecken nicht erneut ins Wanken geraten, sondern finanziell verbindlich abgesichert bleiben.

