Aktuelles aus dem Bezirk
Marzahn-Hellersdorf am stärksten von Stromsperren betroffen
Auch im Jahr 2025 wurde wieder Tausenden Berlinerinnen und Berlinern Strom und Gas abgestellt, mit deutlich steigender Tendenz seit dem Tiefstand von 2023. Dies ergeben Anfragen der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus.
Insgesamt waren im vergangenen Jahr 11.954 Haushalte von Stromsperren und 1.244 Haushalte von Gassperren betroffen. 2024 gab es 9.731 Strom- und 1.157 Gassperren.
Damit ist die Zahl der Stromsperren in Berlin weiter steigend und über dem Niveau der Jahre 2022 bis 2024 (2022: 8.281, 2023: 5.569). Erstmals seit 2014, dem Beginn der Abfragen der Fraktion Die Linke ist der Bezirk Marzahn-Hellersdorf am stärksten von Stromsperren betroffen (1365).
Dazu erklären Sarah Bigall und Bjoern Tielebein, Vorsitzende der Linksfraktion in der BVV Marzahn-Hellersdorf:
„Die Zahlen sind ein eindrücklicher Beleg dafür, dass die hohen Strompreise die Privathaushalte in Marzahn-Hellersdorf enorm belasten. Die Versorgung mit Energie gehört zum Grundbedarf für ein menschenwürdiges Leben, ohne Strom kein Licht, kein warmes Essen, keine Kommunikation, oft keine Heizung.
Der Großteil der Sperren trifft Menschen, die in der Grundversorgung sind. Nicht nur, weil hier der Stromtarif vergleichsweise teuer ist, in der Grundversorgung landen auch zumeist Menschen, die aufgrund von Schufa-Einträgen woanders nicht unterkommen. Viele landen so in der nächsten Schuldenfalle, denn der im Regelsatz für Haushaltsstrom vorgesehene Anteil reicht bei Weitem nicht aus. Das Existenzminimum wird so systematisch und dauerhaft unterschritten - Energiearmut und Energieschulden sind vorprogrammiert.
Angesichts der hohen Strom- und Gaspreise braucht es engagierte Maßnahmen gegen Verschuldung, Energiearmut und Energiesperren.
Daher sollten in der Grundsicherung die Energiekosten in der tatsächlichen Höhe übernommen und dynamisiert werden. Strom- und Gassperren müssen verboten werden. Zwangsräumungen sollten ausgesetzt werden. Das Mindeste wäre die Einführung einer Genehmigungspflicht und behördliche Prüfung. Nur so kann sichergestellt werden, dass insbesondere besonders schutzbedürftigen Haushalten mit Kindern, Schwangeren und auf die Stromversorgung angewiesenen Kranken nicht die nötige Energie abgestellt wird und Sozialbehörden und Jugendämter rechtzeitig aktiv werden.
Auch gestaffelte Strompreise mit einem preisgünstigen Grundkontingent können dazu beitragen, Energiearmut künftig zu reduzieren und Sperren zu vermeiden. Statt bei der Verbraucherzentrale zu sparen, muss gerade in Marzahn-Hellersdorf die Energiespar- und Energieschuldenberatung ausgebaut und abgesichert werden.“

